Jonny will nicht baden!
Für jedes Kind, das jemals Nein gesagt hat,
und für jeden Großen, der sagte: „Nur ein Zeh.“
Text © 2026 Jon Tiemann.
Jonny will nicht baden!
Eine Geschichte in Reimen von Jon Tiemann
Das ist Jonny. Er ist drei,
klein und laut und frech dabei.
Er liebt Laster, er liebt Matsch,
Pfützen, Schlamm und Pitsch und Patsch.
Doch sein Lieblingswort ist klar:
NEIN! – so laut, wie’s noch nie war.
„Jonny, Badezeit!“,
ruft Mama durchs Haus.
Doch Jonny ist weg.
Kein Jonny schaut raus.
Er hockt unterm Tisch
mit Eleanor, der Katz’,
die hasst Baden auch
und bleibt stur auf ihrem Platz.
„Das Wasser ist zu nass!
Und der Abfluss, der beißt!
Der frisst mir die Zehen,
bevor man es weiß!
„Und meine Laster brauchen mich, Mama!“
Eleanor nickt
und peitscht mit dem Schwanz.
Jonny will nicht baden.
Nicht halb und nicht ganz.
Da hebt Mama ihn hoch
und trägt ihn hinaus.
Jonny strampelt und zappelt
und sieht grimmig aus.
„Nur ein Zeh“, sagt Jonny.
„Nur zum Probieren. Nur so…“
PLATSCH!
Er will nicht baden,
nein, kein bisschen, kein Stück…
bis er erst drinsitzt –
dann will er nicht zurück!
Ein Bart aus Schaum,
ein Boot mit Segel,
eine Ente, die quakt –
das ist hier die Regel.
„Raus jetzt, Jonny!“
Doch Jonny ruft froh:
„NEIN! Noch fünf Minuten!
Ich bleibe so!“
Jetzt ist Jonny acht
und war am Bach den ganzen Tag,
mit Matsch an den Knien,
genau, wie er’s mag.
„Baden ist für Babys!“,
sagt er mit finsterem Blick,
und tropft Schlammspuren
den Flur hin und zurück.
Doch ein Bad, das sprudelt,
mit Comic in der Hand…
ist nichts für Babys.
Das ist ja allerhand!
Sobald er drinsitzt.
Jetzt ist Jonny dreizehn.
„Ich dusch dann morgen, okay?“
Die Schwester hält die Nase zu:
„Oh weh, oh weh!
„Du riechst wie ein Socken,
vergessen im Schuh!“
„Gar nicht!“ (Doch er tut’s.
Und er weiß es dazu.)
Dann steigt er hinein –
und er singt! Und wie!
Mit Shampoo als Mikro,
so laut wie noch nie.
Er singt LAUT und singt lang,
bis das Warmwasser leer.
Und die Schwester klopft, klopft
und klopft immer mehr.
Jetzt ist Jonny achtzehn
und zeltet im Wald,
er wandert und angelt,
mal warm und mal kalt.
„Wer braucht schon ’ne Dusche?“,
grinst Jonny und lacht.
Die Fliegen sind einig.
Sie bleiben die Nacht.
Dann ist er daheim,
und die Dusche ist heiß,
er bleibt drin so lange,
bis der Spiegel nicht mehr weiß,
wie Jonny aussieht –
alles neblig und nass.
„Ahhh“, sagt Jonny.
„Was für ein Spaß.“
Jetzt ist Jonny groß,
mit Büro und Krawatte,
und ’ner Wanne so klein,
dass er kaum Platz drin hatte.
Er ist viel zu müde,
er gähnt und er brummt:
„Zu müde. Heut nicht.“
Und dann ist er verstummt.
Doch die Knie ragen hoch,
und das Handy liegt still,
eine Kerze, die leuchtet,
ganz so, wie er’s will.
„Okay“, seufzt Jonny
und sinkt tiefer hinein.
„Das ist schön.“ (Und das stimmt.
Man muss nur erst rein.)
Er lief einen Marathon,
zweiundvierzig Kilometer!
Der Trainer bringt Eis
und ruft: „Jetzt, nicht später!“
„Ein Eisbad hilft!“
„Nein“, sagt Jonny, „nein, nein!
Auf gar keinen Fall.
Ich steig da nicht rein!“
Er steigt rein. BRRRR!
Wie er zittert und bebt!
Die Zähne klappern,
und die Gänsehaut lebt!
Er will es noch immer nicht,
nicht mal ein Stück.
Manche Bäder mag man nie,
auch drinnen nicht. Kein Glück.
Jetzt ist Jonny ein Papa,
und Rosie ist drei.
(Wie schnell doch die Zeit
vergeht – schwupps, vorbei!)
„Rosie, Badezeit!“
Unterm Tisch sitzt sie still:
„Ich WILL nicht baden!“
Und Jonny weiß, was sie will.
Da hebt er sie hoch
und trägt sie hinaus.
Rosie strampelt und zappelt
und sieht grimmig aus.
„Nur ein Zeh“, sagt Jonny.
„Nur zum Probieren. Nur so…“
PLATSCH! Jetzt sind alle nass,
und der Boden ein See!
Sie will nicht baden,
nein, kein bisschen, kein Stück…
bis sie erst drinsitzt –
dann will sie nicht zurück!
„Noch fünf Minuten!“
(Oder zehn. Oh je!)
Viel später sitzen Opa
und Oma gemütlich
auf dem Sofa und brummeln
ganz ungemütlich.
„Zu heiß! Zu kalt!
Zu viel Getu!
Baden ist was für Kinder.
Wir haben jetzt Ruh!“
Doch sie schlüpfen aus den Pantoffeln
und stellen die Füße hinein,
und seufzen: „Ahhh!“
Das Wasser ist fein.
„Noch fünf Minuten“, sagt Opa.
Sagt Oma: „Nein, zehn!“
(Manches ändert sich nie.
Das kann man hier sehn.)
Gute Nacht, liebe Wanne.
Gute Nacht, Ente, du.
Gute Nacht, ihr Bläschen.
Jetzt ist Ruh.
Bis morgen zur Badezeit,
dann geht es von vorn.
Gute Nacht, kleiner Jonny.
ENDE
Jonny ist drei, und er will nicht baden. Das Wasser ist zu nass. Der Abfluss frisst seine Zehen. Und seine Laster brauchen ihn.
Doch sobald Jonny drinsitzt, passiert etwas. Mit acht, mit dreizehn, mit achtzehn, und bis zu dem Tag, an dem seine eigene kleine Tochter ruft: „Ich WILL nicht baden!“
Mit den Pfeiltasten oder durch Wischen umblättern.